Hochsitz Rotte/ Dezember 16, 2017

Niederwildjagd, der Feldhase

Die Wintermonate bieten nicht nur Gelegenheit zur Hochwildjagd, sondern bieten auch optimale Voraussetzungen für die Niederwildjagd.
Allen voran findet in diesem Zeitraum die Jagd auf den Feldhasen statt. Besonders effektiv sind die Treib- bzw. Streifjagden. Neben dem Kesseltreiben ist auch die böhmische Streife ein probates Mittel, um das Durchbrechen des Wildes zu verhindern und eine entsprechende Strecke zu gewährleisten.
Da dies nur mit der Kenntnis des genauen Besatzes möglich ist, ist das „Hasenzählen“ unerlässlich. Bei regelmäßiger Erfassung kann der Waidmann*frau so Rückschlüsse ziehen und entsprechend die Population bestimmen. Diese wichtige Hegetätigkeit trägt auch zur Identifizierung so genannter Hasenhotels statt.

Nach heutigem wildbiologischem Wissenstand sollte eine jagdliche Nutzung erst bei einem Bestand von 10-15 Feldhasen / Hektar im Frühjahr und 20 Feldhasen / Hektar im Herbst erfolgen. Subtrahiert man diese beiden Zahlen voneinander erhält der/die Jagdausübungsberechtigte den jährlichen Zuwachs, welcher (-10% Wintermortalität) zugleich die maximale Jagdstrecke darstellt.

Wo sind unsere Hasen?

Leider erscheint die Population rückläufig! In der Tabelle haben wir die Strecke des Feldhasen in NRW gelistet. Stellvertretend für die ganze Republik, mit Ausnahme einiger Regionen spiegeln diese Zahlen den bundesweiten Abwärtstrend.

Feldhasenstrecke NRW von Jagdjahr 2011/12 bis 2016/17

Stand Umweltministerium NRW: Jagdbilanz 2016/17 vom 11.12.2017

Jagdjahr Gesamtstrecke Fallwild vergl. Vorjahr
2016/17 47.055 11.097 -7.144
2015/16 54.199 12.890 -7.363
2014/15 61.562 14.578 -5.423
2013/14 66.985 15.036 -29.870
2012/13 96.056 28.130 -13.743
2011/12 110.598 18.384 -16.346

Bei genauerer Betrachtung der Tabellen wird deutlich, dass nicht nur die Strecken des Feldhasen, sondern auch anderes Niederwild wie Kaninchen, Fasan etc. sich diesem Negativ-Trend anheften.
Eine Erklärung liegt nicht vor, allerdings korrelieren die Zahlen mit denen der Raubwildstrecken. Flankiert von den landwirtschaftlichen Veränderungen und damit einhergehenden zusätzlichen Belastung des Niederwildes muss hier ein besonderer Fokus auf die Hege gelegt werden. Nicht zuletzt sollten sich Revierinhaber*innen mit dem genauen Besatz vertraut machen, um so eine Überbejagung auszuschließen. Besonders hinsichtlich der Zuwachsrate empfehlen wir die Jagd nicht nach Mitte Dezember auszuführen, da ab hier bereits die Fortpflanzungszeit beginnt.

Hege des Feldhasen

Um dem rückläufigen Trend entgegen zu wirken listen wir nachfolgend einige Hegemöglichkeiten auf:

    Prädatorenbejagung
  • Gerade Junghasen sind gefährdet und leiden neben den heimischen Fressfeinden allen voran Fuchs und Krähe auch zunehmend unter Neozonen wie Waschbär, Marderhund und Mink
    1. Landwirtschaftliche Bewirtschaftung optimieren (hier mit den Landwirten Kontakt aufnehmen)
  • Bei der Mahd von innen nach außen mähen, um eine Fluchtmöglichkeit zu ermöglichen.
  • Einsatz von chemischen Mitteln reduzieren (nicht nur das Glyphosat in fünf Jahren)
  • Strukturreiche und parzellierte Flächen anbieten. Z.B. Hecken, Hegebüsche, Windschutzgürtel etc. anlegen.
  • Für ein abwechslungsreiches Nahrungsangebot sorgen. Buchweizen, Klee und verschiedene Gräser bieten sich an, um einen hohen Fettgehalt während der Säugezeit zu sichern.
  • Ruhebedürfnis des nachtaktiven Feldhasens gewährleisten. Er benötigt Ruhe und Schutz in der Sasse um sich zu erholen.
    1. Angemessene Bejagung
  • Unerlässlich ist die Kenntnis des genauen Besatzes. (Vgl. Berechnung oben)
  • Stammbesatz muss erhalten werden
  • Jagdzeit anpassen (Treibjagden von November bis Mitte/Ende Dezember)
  • Fazit

    Neben den erforderlichen Maßnahmen dem Feldhasen optimale Bedingungen zu bieten sich zu vermehren, müssen Jagsausübungsberechtigte sich selber dazu ermahnen entsprechende Hegemaßnahmen einzuleiten und den direkten Kontakt zur Landwirtschaft suchen. Auch wenn der Feldhase im Zuge einer Superfötation eine hohe Reproduzierungsrate besitzt, sollten Prädatoren stark bejagt werden, um die entsprechenden Stammbesätze wieder zu erhöhen.
    Jede*r Waidmann*frau sollte sich daran erinnern, dass nur eine ausgewogene Biodiversität den Erhalt heimischer Wildarten fördert und positiv beeinflussen kann. So ist z.B. dieses Jahr ein „Mäusejahr“ welches hoffentlich dazu beiträgt, dass Gevatter Reineke nicht zu viele Hasen verputzt;)

    In diesem Sinne stets einen guten Anblick von wo auch immer Ihr herunter schaut

    Eure Hochsitz Rotte

    Summary
    Hasenbestand im Abwärtstrend- Was können wir ändern?
    Article Name
    Hasenbestand im Abwärtstrend- Was können wir ändern?
    Description
    Das Umweltministerium NRW veröffentlichte diese Woche die neuen Streckenzahlen für das Jagdjahr 2016/17. Besonders deutlich wird der Rückgang des Niederwildes. Neben den landwirtschaftlichen Lebensraumbeschneidungen (Industriemais, Spritzmittel, Großflächen etc.) gibt es auch Gegenmaßnahmen, die parziell eingeleitet werden können. Die gesammte Niederwildpopulation ist rückläufig und neben der Polizik, sollten auch wir Waidleute versuchen unser heimisches Niederwild zu schützen.
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